PB-9 provet / GMD (1994):
Die Simulationsstudie Rechtspflege - Eine neue Methode zur Technikgestaltung für Telekooperation, Berlin 1994.

edition Sigma,
302 Seiten, DM 39,-;
ISBN 3-89404-373-3

Autoren:

Alexander Roßnagel (provet),
Johann Bizer (provet),
Volker Hammer (provet),
Christel Kumbruck (provet),
Ulrich Pordesch (provet),
Heinz Sarbinowski (GMD)
Michael J. Schneider (provet)

Abstract

Die zukünftige Informations- und Kommunikationstechnik soll die zeit- und raumübergreifende Zusammenarbeit von Menschen unterstützen: Telekooperation. Wie aber sollen die Techniksysteme heute gestaltet werden, damit künftige Risiken für Anwender, Organisationen und die Gesellschaft vermieden und zusätzliche Chancen erschlossen werden? Um Schäden vorzubeugen, werden Erfahrungen mit Manipulationen und Fehlfunktionen benötigt. Doch die Techniksysteme sind noch nicht entwickelt, die Anwender noch nicht damit ausgestattet, praxisnahe Erfahrungen können dher noch nicht berücksichtigt werden.

Oder doch? Mit der Methode der Simulationsstudie, die hier für ein Teilgebiet der Telekooperation - nämlich für die besonders sicherheitsempfindliche Rechtspflege - beschrieben wird, gelingt genau dies. Sachverständige Anwender erproben prototypische Technik und erschließen praxisnahe Erfahrungen zur Technikgestaltung für Telekooperation. Wie vielversprechend die neu entwickelte Methode ist, zeigt sich an der Fülle interessanter Ergebnisse der Simulationsstudie Rechtspflege. Sichrungsmechanismen der Zukunft, digitale Signaturen und die zugehörige Telekooperationstechnik werden anhand der Kriterien Verfassungsverträglichkeit, Verletzlichkeit und Anwendergerechtheit untersucht, bewertet und gestaltet.

Anhand dieser exemplarischen Untersuchung wird deutlich, daß die Methode der Simulationsstudie auch für andere Technikfelder einen Weg anbieten könnte, das traditionelle Dilemma der Technikfolgenforschung zu lösen, wonach sich die unerwünschten Wirkungen praktisch oft erst zeigen, wenn die Technikentwicklung fast uneinholbar weit fortgeschritten ist.

Inhaltsübersicht

Vorwort 

Teil I: Simulationsstudien

1. Das Problem vorlaufender Technikgestaltung 
   1.1 Rechtspflege - telekooperativ
   1.2 Notwendige Technikgestaltung
2. Das Problem sozialverträglicher Technikgestaltung 
   2.2 Soziale Kriterien der Technikgestaltung 
   2.2 Probleme realer Erprobung
3. Simulationsstudien als Antwort
   3.1 Praxistest und Planspiel
   3.2 Simulationsstudie 
   3.3 Durchführung von Simulationsstudien

Teil II: Die Simulationsstudie Rechtspflege 

4. Die Rechtspflege als Prüfstein rechtsverbindlicher 
   Telekooperation 
   4.1 Telekooperation als Beispiel für sozio-technische 
       Informations- und Kommunikationssysteme
   4.2 Rechtsverbindliche Telekooperation als Beispiel 
       sozial bedeutsamer Telekooperation 
   4.3 Rechtspflege als geeigneter Prüfstein 
       rechtsverbindlicher Telekooperation 
5. Zukunftsannahmen
   5.1 Informatisierung der Rechtspflege 
   5.2 Organisatorische Veränderungen 
   5.3 Entwicklungstrends der Telekooperation 
   5.4 Öffentliche Schlüsselsysteme
   5.5 Sicherungsinfrastruktur 
6. Konzeption der Simulationsstudie Rechtspflege 
   6.1 Sachverständige Testpersonen 
   6.2 Telekooperative Arbeitsplätze und Fallbearbeitung
   6.3 Fälle und Rollen
   6.4 Zeitliche Struktur
7. Durchführung der Simulationsstudie 
   7.1 Simulationsstudie Phase I
   7.2 Simulationsstudie Phase II

Teil III: Ergebnisse der Simulationsstudie Rechtspflege 

8. Eignung für rechtsverbindliche Telekooperation 
   8.1 Dokumente in der Rechtspflege 
       8.1.1 Aktenführung
       8.1.2 Elektronische Signatur
       8.1.3 Dokumententypen 
       8.1.4 Elektronische Post und Zustellformen
   8.2 Schlüsselverwaltung 
9. Verletzlichkeit 
   9.1 Fragestellungen und Auswertung
   9.2 Angriffe 
       9.2.1 Unterschieben von Dokumenten
       9.2.2 Unsicherheiten der Signaturprüfung
       9.2.3 Fehler und Mißbräuche im Umgang mit Chipkarten
   9.3 Fehler
   9.4 Schadenspotentiale
       9.4.1 Schadensarten
       9.4.2 Schadensdynamik
       9.4.3 Schadensereignisse
       9.4.4 Schadensreduzierende Maßnahmen
10. Verfassungsverträglichkeit 
   10.1 Vorbereitung und Auswertung
   10.2 Verfassungsverträgliche Gestaltung der Telekooperation 
        10.2.1 Elektronische Signatur
        10.2.2 Pseudonyme
        10.2.3 Auskunftsdienste
        10.2.4 Verschlüsselung
        10.2.5 Zugang und Zustellung
        10.2.6 Dienst- und Standespflichten
        10.2.7 Beweiseignung elektronisch signierter Dokumente 
   10.3 Verfassungsverträgliche Gestaltung der Sicherungsinfrastruktur 
11. Anwendergerechtheit
   11.1 Methodisches Vorgehen
   11.2 Bewertungen und Gestaltungsvorschläge
        11.2.1 Die elektronische Post und die 
               Organisation des Arbeitsablaufs
        11.2.2 Verlust an Stofflichkeit und Transparenz
        11.2.3 Neuaufteilung administrativer und 
               direktiver Aufgaben?
        11.2.4 Elektronische Signatur als Garant von Vertrauen?
        11.2.5 Die elektronische Akte als Medium richterlicher 
               und anwaltlicher Tätigkeit
        11.2.6 Doppelte Aktenführung
        11.2.7 Von körperlichen Handlungen zu Aktionen am Bildschirm 
        11.2.8 Gewinne und Verluste
12. Simulationsstudien - eine neue Methode der Technikgestaltung 

Uebersicht


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